5 Gründe, warum Spurenlesen eine der wichtigsten Survivalfertigkeiten ist – Teil 1

Im Juni 1998 führten wir eine Schulklasse in die Wildnis. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil in dieser Woche einige Ereignisse stattgefunden haben, die Sie besser vermeiden, wenn Sie in die Wildnis gehen. Es war am dritten Tag und jeder weiß, dass an diesem Tag gerne Dinge schief laufen.

Wir starteten an diesem Tag zu einer Mission in die Wälder. Wir planten einen Ausflug auf ein bewaldetes Hochplateau. An einem Ende gab es Felswände und am anderen Ende läuft das Hochplateau ca. 20 Kilometer weit aus.

Der Marsch auf das Plateau war einfach. Oben angekommen erklärte ich unser Vorhaben. Ich teilte die Schüler in 4 Gruppen auf und führte sie an 4 verschiedene Ausgangspunkte. Von dort aus sollte jede Gruppe mit Karte und Kompaß zu einer bekannten Höhenmarkierung mitten im Wald finden.

Eine Sternwanderung mit Karte und Kompaß sozusagen. Endlich waren alle auf der Strecke und ich ging zum Treffpunkt. Jetzt war endlich Zeit zum Ausrasten. Die Teams würden eine Weile unterwegs sein.

Nach ca. 1,5 Stunden traf das erste Team ein. Kurz darauf hörte ich schon das nächste Team im Unterholz. Die ersten drei Teams waren bald komplett. Eine halbe Stunde verging. Nichts rührte sich. Nach einer Stunde wurden wir langsam nervös. Es war immer noch kein Team 4 zu hören oder zu sehen.

Ich sagte, dass wir zum Ausgangspunkt zurückgehen sollten. Es war vereinbart, dass, falls jemand Probleme hat, wir uns beim Ausgangspunkt treffen. Schon aus der Ferne hörten wir die Stimmen des Teams. Ich fragte: „Was ist denn los? Warum seid ihr nicht zum Zielpunkt gekommen?“

Ein Schüler antwortete: „Wir hatten Streit. Herbert sagte, dass wir das nicht richtig machen. Also hat er sich die Karte und den Kompaß geschnappt und ist alleine los. Und er ist immer noch nicht zurückgekommen.“

Das war ein klarer Regelbruch. Die Anweisung lautete, dass keiner alleine losziehen darf. Aber nun war es schon geschehen. Ich fragte die Schüler, wo sie ihn zuletzt gesehen hatten. Ein Schüler führte mich hin und ich begann die Spuren zu untersuchen.

Nach ein paar Metern hatte ich herausgefunden, dass der Schüler linksdominant ist. Das bedeutet, dass er auf diesem Plateau aller Voraussicht nach eine Rechtskurve gehen wird. Der Radius wird nicht sehr groß sein und er wird auf der anderen Straßenseite zu uns stoßen, sofern er nicht ohnehin die Straße benutzt.

Ich teilte dem Lehrer meine Erkenntnis mit und sagte, dass wir einfach hier warten sollten. Ich hatte Glück. Der Lehrer vertraute mir und blieb ruhig. Eine weitere Stunde verging. Der Schüler war immer noch nicht da. Die Sonne war am Untergehen und im Wald begann es schon dunkler zu werden. Ich spürte, dass sich uns etwas näherte und bat die Schüler leise zu sein. Und da konnten wir es alle hören.

Ich wieß die Schüler an, sich zu verstecken. Ich halte nichts von Standpauken. Also beschloss ich ein wenig psychologische Kriegsführung anzuwenden, um dem Schüler eine Lektion zu erteilen. Scheinbar war er schon in leichter Panik. Er hatte den 2spurigen Forstweg überquert und ging parallel dazu in unsere Richtung.

Er irrte planlos umherr. immer im Zick Zack. Auch ein Blinder konnte erkennen, dass er nahe der Verzweiflung war. In seinem Gesicht konnten wir Angst erkennen. Die Dämmerung setzte ein und er war scheinbar verloren. Er wußte nicht, dass wir ihn bereits im Visier hatten. Nach einer Weile gaben wir uns zu erkennen. Wir hatten genug gesehen und er hatte genug gelitten.

Das ging noch einmal gut aus. Durch das Lesen und Deuten von Spuren konnten wir seine Handlungen voraussehen. Wir hätten ihn auch früher finden können, aber in diesem Fall war es einfacher, auf ihn zu warten.

Der 1. Grund, warum es gut ist, Spurenlesen zu lernen, ist, dass wir durch das richtige Lesen von Spuren voraussagen können, wie Menschen oder Tiere handeln. Wenn wir ein Reh anpirschen möchten, funktioniert es genauso.

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