Feuerstahl mit Cody Lundin und Jürgen Gerzabek

Kurze Hose, Hemd und barfuß, egal wo und wann. Das ist das Markenzeichen von Cody Lundin. Bekannt wurde er durch die Sendung „Survival Duo“. Dort war er der naturverbundene Protagonist. Sein Mitspieler war zumeist ein Survivalist mit militärischem Hintergrund. Wie auch seine Vorgänger, wurde Cody bald ersetzt. „Die blose Tatsache, dass das Leben in der Natur in einem völlig falschem Licht wiedergespiegelt wird, ist nicht lange zu ertragen,“ so Cody.

Das machen auch kurze Hose, und die Abwesenheit von Schuhwerk nicht wett. Aber seine Popularität war enorm. Die Menschen lieben ihn. Bei unserer USA Reise letzten Herbst haben wir einige unserer Wildnisfreunde wieder getroffen. Darunter auch Cody.

Wir haben viel über seine Zeit beim Survival Duo gesprochen und wie er aus dem Sender rausgebüchst wurde. Über die Survival Shows, die ja tatsächlich allesamt Shows sind, und wie sie das Bild von Survival prägen. Dabei waren wir uns über eines einig: Survival Shows weichen meistens meilenweit von der Realität ab. Das Bild, das dem Zuschauer vermittelt wird, stellt die Natur meistens in ein abstoßendes Licht.

Cody Lundin und Jürgen Gerzabek

Wer mich und Cody genauer kennt, weiß, dass es auch anders geht. Und der gute Mann lebt, wie er ist. Seine kurze Hose trägt er auch außerhalb der Shows. Das beweisen seine Knie, die mit dicker Hornhaut überzogen sind und seine rissigen Fusssohlen, die dick wie Elefantenhaut sind.

Aber leider haben die Regisseure eine andere Vorstellung von Survival und die Authenzität von Cody passte da leider nicht mehr ins Bild. Wenn es im Survival zu harmonisch wird, gibt es nicht mehr genügend Einschaltquoten. Da geht es dann doch mehr um das Überleben der TV Sender.

Aber die Zeit mit Cody haben wir sehr genossen. Egal ob beim Feuermachen oder beim Fachsimpeln über verschiedene Fertigkeiten und Anschauungen. Ein netter Kerl, den wir jederzeit wieder gerne besuchen werden.

Beim Fachsimpeln waren wir uns fast immer einig. Seine Anschauungen und Methoden sind unseren sehr ähnlich. Beim Feuerworkshop mit dem Feuerstahl geht es uns um wesentlich mehr, als nur um das Feuermachen. Das ist es, was mir an ihm am meisten gefällt. Er geht den Sachen auf den Grund. Er geht in die Tiefe. Er sucht nach den verstecken Inhalten und Lehren und lässt keine Gelegenheit aus, die einfachsten Fertigkeiten mit tieferen Lehren zu bestücken.

Beim Funkenschlagen können wir noch ganz andere Dinge lernen. Im Video zeige ich, dass es ganz einfach geht. So könnte der Unterricht aussehen. Aber was lernen wir dabei? Oder besser gesagt, auf welche Lehren verzichten wir?

Wenn wir schon den Feuerstahl unterrichten, dann weisen wir die Teilnehmer an, ein Zundernest zu bauen. Dafür benötigt man Rinde, die sich auffasern lässt, wie zum Beispiel von der Pappel. Außer Rinde kann man auch eine ganze Menge anderer Materialien verwenden. Aus dem groben Material, in unserem Fall die Rinde, baut man ein Nest.

Zundernest Feuerstahl

Jetzt nimmt man die Rinde in die Hand und zerreibt sie. Das feine Material, das dabei herausfällt, sammelt man. So erhält man gleich zwei weitere Stoffe:

Feinere Fasern

Fasern für Feuerstahl

und sehr feines, fast schon staubähnliches Material.

Feines Rindenmehl für Feuerstahl

Als nächstes gibt man die Fasern in das Nest und legt dann den Staub oben drauf. So jetzt haben Sie nicht nur gelernt, wie man ein Feuer mit dem Feuerstahl anzündet. Sie haben auch gelernt, wie man ein Zundernest baut. Das Zundernest können Sie für alle Arten von Feuer durch Reibungshitze verwenden. Und wenn Sie Ihr Nest mit dem Feuerstahl zum Glühen bringen, dann lernen Sie auch noch, wie man so ein Nest zur Flamme bläst. Über das Lernen von verschiedensten Materialien brauche ich wohl nicht hinzuweisen.

Das ist der Unterschied, zwischen einem Lehrer und einem Master Teacher. Er schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe und bietet eine Menge an nicht offensichtlichen Lehren an. Halten Sie danach Ausschau, wenn Sie es mit Survivallehrern zu tun haben.

Viel Spaß beim Üben und viel Erfolg und nichtvergessen:

Was lehrt mich diese Technik noch?

All good medicine

Jürgen Gerzabek

3 Gedanken zu “Feuerstahl mit Cody Lundin und Jürgen Gerzabek

  1. Lieber Jürgen! Ein wirklich sehr interessanter und lehrreicher Beitrag. DANKE! Ich bin ja auch ein großer Fan von Cody und habe natürlich keine Sendung verpasst. Am meisten bewundere ich bei ihm, dass er ständig (bei jedem Wetter) barfuss unterwegs ist. Ich hätte wahrscheinlich ständig Blasenentzündung 😉
    Feuerstahl befindet sich immer in meinem Rucksack. Ich werde im Juni eine Wanderung in N-Italien unternehmen. Von der Quelle des Tagliamento über den Mauria-See wieder zur Quelle. Mein Sohn Werner und ein Bekannter werden mich begleiten. Wir wollen diese 60 km-Wanderung ausschließlich als Survival-Tour gestalten. Einziger Luxus: Hängematte mit Regenschutz und Moskitonetz.
    Vielleicht schauen wir auch bei euch vorbei!
    LG Loretta Leutner

  2. Hallo lieber Jürgen,
    dass mit der Rinde geht sehr gut, aber bei richtigen Sauwetter wird es ein wenig eng. Ich persönlich liebe Birkenrinde zum starten. Funktioniert auch beim schlimmsten Regen. Wenn vorhanden, auch klar.

    All good medicine back
    Ralf M. König

  3. Ach, eines noch.
    Habe die Serie mit Cody aufmerksam verfolgt. Hatte eine riesen Freude mit Ihm, denn er hat gezeigt, dass man nicht gegen die Natur kämpfen muss. Wir sind ja nicht im Krieg. Hat mir total gut getan, wie er den Military Typen vorgeführt hat. Das das nicht von langer Dauer sein wird, war auch klar. Im beiderseitigen denke ich. Trotzdem war es schön die Serie mit Cody zu verfolgen.

    All good Medicine
    Ralf M.

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